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Polfilter

Polfilter gehöhren zu den nützlichsten Filtern in der Fotografie. Anders als bei vielen anderen Filtern kann man die Effekte des Polfilters nicht nachträglich beim Erstellen eines Abzugs oder bei der digitalen Manipulation nachholen.

Gleichzeitig ist der Polfilter ein relativ komplizierter Filter. Gerade Anfänger haben hier oft Verständnisprobleme. Dieser Artikel soll Abhilfe schaffen.

Was ist ein Polfilter?

Ein Polfilter besteht im wesentlichen aus einer Polarisationsfolie, die das einfallende Licht linear polarisiert. Licht von der Sonne oder von den meisten künstlichen Lichtquellen besteht aus Wellen, die in allen möglichen Ebenen schwingen (es ist unpolarisiert). Ein Polfilter kann nun die Wellen ausfiltern, die nicht in einer bestimmten Ebene schwingen. Hinter dem Filter treten also nur Wellen aus, die alle in der gleichen Ebene schwingen (es ist linear polarisiert). Alle anderen werden vom Polfilter ausgeblendet bzw. entsprechend abgeschwächt. Die Schwingungsebene wird durch die Drehstellung des Filters ausgewählt. Wenn man nun eine Lichtquelle durch den Filter betrachtet, erscheint das Bild lediglich dunkler. Das ist keine Überraschung, denn es werden ja Wellen ausgefiltert, und weniger Licht verläßt den Filter wieder.

Interessant wird es nun, wenn das unpolarisierte Licht der Lichtquelle an nichtmetallischen Oberflächen (Wasser, Glas, Kunststoff, Lack usw.) reflektiert wird. Dann wird dieses Licht teilweise linear polarisiert. Man kann nun mit einem Polfilter diesen polarisierten Anteil ausfiltern, indem man in so dreht, daß die Schwingungsebene des Lichts zur Durchlaßebene des Filters senkrecht steht. Das hört sich sehr kompliziert an, ist aber in der Praxis sehr einfach: Man dreht den Filter so lange, bis die Reflexion verschwindet. Dies ist auch die Hauptanwendung des Polfilters: Ausfiltern von Reflexionen.

Wann verwendet man einen Polfilter?

Man verwendet Polfilter hauptsächlich zum Entfernen von Reflexionen. Diese können störend sein, z.B. beim Fotografieren durch eine Fensterscheibe. Auch beim Fotografieren von Gegenständen ist der Polfilter nützlich. Wenn man die Reflexionen an einer Kunststoff- oder Lackoberfläche ausfiltert, dann kommt die eigentliche Farbe des Gegenstands stärker zur Geltung. Mit dem Polfilter kann man also die Farben des Motivs verstärken.

In der Naturfotografie gibt es zwei Hauptanwendungen. Auch auf Blättern von Bäumen und anderen Pflanzen sowie auf Wasserflächen gibt es Reflexionen. Da hier meistens der Himmel reflektiert wird, erscheinen diese Bilder oft unnatürlich blau. Ein Polfilter reduziert diese Reflexionen und macht Grün wieder Grün und Braun wieder Braun. Die zweite Anwendung ist, den blauen Himmel dunkler erscheinen zu lassen. Das blaue Himmelslicht ist im Vergleich zu Wolken stark polarisiert. Mit dem Polfilter läßt sich dieser Bereich gut verdunkeln, und weiße Wolken zeichnen sich deutlicher ab.

Wann verwendet man keinen Polfilter?

Wenn eine Reflexion zentraler Bestandteil des Bildes ist, dann sollte man sie natürlich nicht gerade wegfiltern. Bei einem Bild eines Berges hinter einem Bergsee ist es vermutlich wichtiger, das Spiegelbild des Berges im Wasser zu sehen als den Grund des Sees.

Da der Polfilter ja Licht ausfiltert, also das Bild dunkler erscheint, kann es vorkommen, daß die Belichtungszeiten deutlich verlängert werden. Im Ernstfall kann eine kürzere Belichtungszeit wertvoller sein als die Wirkung des Polfilters. Dann sollte man besser auf den Einsatz verzichten.

Was ist ein zirkularer Polfilter?

„Normale” Polfilter sind lineare Polfilter. Hinter dem Filter ist alles Licht linear polarisiert. Moderne Kameras haben nun oft einen halbdurchlässigen Spiegel oder eine halbdurchlässige Fläche im Sucherprisma. Hier wird das Licht abgezweigt, das zur Belichtungsmessung und für den Autofokus verwendet wird. Diese halbdurchlässigen Flächen wirken oft ebenfalls wie ein Polfilter. Wenn nun die beiden Durchlaßebenen senkrecht zueinander stehen, dann kommt kaum noch Licht durch. Das macht sich so bemerkbar, daß der Autofokus nicht mehr funktioniert (es kommt nicht genug Licht am Sensor an) oder daß die Bilder stark überbelichtet werden (der Belichtungsmesser „denkt”, es sei sehr dunkel).

Die Abhilfe dieser Probleme sind zirkulare Polfilter. Diese haben hinter der Polarisationsfolie noch eine weitere Folie, eine sogenannte Verzögerungsplatte. Diese versetzt die austretenden Lichtwellen in Rotation, d. h. die Wellen schwingen nicht mehr alle in einer Richtung sondern sind quasi im Raum verdreht. Hinter dem Filter kommt also zirkular polarisiertes statt linear polarisiertes Licht heraus. Dieses passiert die halbdurchlässigen Flächen, ohne jemals vollständig absorbiert zu werden. Der Autofokus und der Belichtungsmesser funktionieren wieder korrekt.

Viele Leute glauben, daß man zirkulare Polfilter nicht mehr drehen müßte oder daß die Bildwirkung sich von der linearer Polfilter unterscheiden würde. Das ist beides nicht der Fall.

Wie unterscheide ich lineare und zirkulare Polfilter?

Falls man einmal in der Situation sein sollte, daß man nicht weiß, ob man einen linearen oder zirkularen Polfilter vor sich hat, dann gibt es einen einfachen Trick, um sie zu unterscheiden. Man blickt einfach durch den Filter auf dessen Spiegelbild in einem normalen Spiegel. Wenn der Filter immer gleich grau aussieht, egal durch welche Seite man blickt, dann handelt es sich um einen linearen Polfilter. Ein zirkularer Polfilter erscheint in einer Stellung grau und in der anderen absolut schwarz.

Readers' comments

There are 15 comment(s):
#1: Comment posted by Dietmar on March 21, 2008 - 06:37:14 PM:
Danke. Hat mir sehr geholfen.
#2: Comment posted by Roland on March 27, 2008 - 03:15:35 PM:
Ich kann mich dem nur anschließen. Wirklich sehr aufschlussreich. Vielen Dank!
#3: Comment posted by Michael on March 31, 2008 - 08:50:37 PM:
Super erklärt, hab´s endlich mal verstanden. Danke
#4: Comment posted by Rene on April 17, 2008 - 05:27:41 AM:
Super, danke ich habe auch schon positive Ergebnisse erzielt. Aufpassen muss man aber im Innenraum bzw. dunkleren Bereichen...
#5: Comment posted by guert on April 30, 2008 - 05:29:34 PM:
Alle 4 vorherigen Kommentare treffen voll und ganz für mich zu! - Danke sehr!
#6: Comment posted by Udo on June 17, 2008 - 02:45:41 PM:
Klasse Beitrag. Ist sehr verständlich erklärt. Danke!
#7: Comment posted by chris on June 17, 2008 - 08:47:13 PM:
Danke für Ihre verständliche und aufschlussreiche Erkärung
#8: Comment posted by denis on July 29, 2008 - 12:32:25 PM:
Danke. Das hier ist ein sehr guter Beitrag. Ohne viel Fachlatein für Anfänger erklärt.
#9: Comment posted by Rouven Knupp on September 03, 2008 - 08:41:55 AM:
danke für diese super erklärung! sie war wirklich sehr aufschlussreich!!!!
#10: Comment posted by Ernst Koeppel on October 11, 2008 - 05:38:29 PM:
Ihr kristallklarer Beitrag hat mir sehr geholfen. Vielen Dank! Wäre ich auch im Fachhandel so gut aufgeklärt worden, hätte ich mir nicht einen Polfilter allein zum Schutz meines teuren Objektivs andrehen lassen. Allerdings habe ich feststellen können, dass Wolken sichtbarer bleiben und dass die Farben auch intensiver werden. Soll ich zum Schutz meines Objektivs vielleicht ein UV-Filter nehmen?
Michael Hohner answers:
Dass Wolken deutlicher hervortreten, habe ich ja oben schon beschrieben. Wenn man diesen Effekt bei einer Aufnahme haben will, dann sollte man auch einen Polfilter verwenden.

Alleine zum Objektivschutz würde ich auf keinen Fall einen Polfilter verwenden. Die Nachteile habe ich ja oben genannt. Ich persönlich verwende auch keine UV-Filter zum Objektivschutz. Der beste Schutz in alltäglichen Situationen ist meiner Meinung nach immer noch die Gegenlichtblende und der Objektivdeckel. Ich würde nur in Ausnahmesituationen einen UV-Filter empfehlen, z.B. beim Fotografieren in der Gischt.
#11: Comment posted by Michael on October 12, 2008 - 12:23:30 PM:
Danke für die Seite; jetzt hab's auch ich kapiert
#12: Comment posted by Manfred Wolff on October 18, 2008 - 11:39:41 PM:
Danke für Ihren Bericht. Ich habe mir eine neue Spiegelreflex Kamera
zugelegt und ich werde mir jetzt einen Polfilter dazu kaufen. Denn
Ihr Bericht hat mich neugierig gemacht. Mal schaun wie es klappt.
Man ist ja für jeden Tip dankbar den man kriegt. Danke.
#13: Comment posted by Ernst on February 06, 2009 - 06:41:31 PM:
Der Bericht ist klar und verständlich. Kein schwerer Text der noch andere Informationen benötigt, außer man möchte das ganze wissenschaftlich ergründen. Für mich sehr Informativ und nützlich. Der Text ist teilweise mit meiner Meinung identisch.
Damit stimme ich mit der Meinung von Dennis überein.
Ein Fachhandelbesuch ist für mich nicht in Frage gekommen, da der nächst gelegene weit von uns entfernt ist und der Verkäufer als solches in erster Linie fungiert.
#14: Comment posted by Ella Horz on May 30, 2009 - 11:23:10 AM:
Vielen Dank für die praxisnahe Erklärung. Jetzt habe ich den praktischen Zweck kapiert. Habe gleich den Spiegeltrick ausprobiert. Funktioniert! Danke.
#15: Comment posted by Jochen on July 08, 2009 - 05:47:11 PM:
Kann ich beide Arten von Filter an jedem Objektiv benutzen?
Der Artikel ist sehr hilfreich. Vielen Dank.
Michael Hohner answers:
Dem Objektiv ist es egal, der Kamera eventuell nicht (s. Text).

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